
Story
Jun 14, 2026
Hasselblad x Sigma
Wie eine schwierige Kamerakombination die Bilder meiner Ausstellung „The Act“ möglich gemacht hat.
Category
Story
Reading Time
7 Min
Date
Wenn Technik zur Geschichte wird
Manche Bilder entstehen nicht, weil alles perfekt funktioniert. Manche Bilder entstehen genau deshalb, weil etwas schwierig ist.
Bei meiner Ausstellung „The Act“ war es genau so. Die Bilder dieser Serie sind nicht mit einem klassischen Setup für Tierfotografie entstanden, nicht mit der schnellsten Kamera und auch nicht mit der einfachsten Lösung. Sie sind durch eine Kombination entstanden, die eigentlich nicht wirklich dafür gemacht war: eine Hasselblad, ein Adapter und mein Sigma 600mm Objektiv.
Natürlich hätte ich es mir einfacher machen können. Ich hätte einfach bei meiner Canon bleiben können. Sie war schneller, zuverlässiger und für Tierfotografie wahrscheinlich die logischere Entscheidung. Aber manchmal geht es nicht darum, den einfachsten Weg zu nehmen. Manchmal will man wissen, was passiert, wenn man etwas versucht, das auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt.
Genau aus diesem Gedanken heraus entstand die Kombination, mit der später alle Bilder von „The Act“ fotografiert wurden. Und genau mit diesen Bildern durfte ich am World Wildlife Day 2022 sogar mit Hasselblad selbst kooperieren.
Bevor das alles passieren konnte, musste ich aber erst herausfinden, ob diese Kamera überhaupt so funktionieren kann, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
Der Anfang mit Canon
Bevor ich mit Hasselblad fotografierte, war mein wichtigstes Setup für Tierfotografie lange Zeit meine Canon zusammen mit einem Sigma 600mm Objektiv. Dieses Objektiv begleitet mich seit über zehn Jahren und ist bis heute ein Teil meiner Ausrüstung.
Es war für mich immer besonders wichtig, weil es mir erlaubt hat, Tiere aus einer respektvollen Distanz zu fotografieren. Ich konnte nah genug sein, um Details zu erkennen, aber weit genug weg bleiben, um nicht zu stören.
Genau das liebe ich an der Tierfotografie. Man greift nicht ein. Man beobachtet. Man wartet. Man ist Teil eines Moments, ohne ihn zu kontrollieren.
Die Idee hinter Hasselblad
Als ich dann die Hasselblad bekam, veränderte sich etwas in mir. Diese Kamera hatte eine ganz andere Art, Bilder zu erzeugen. Die Schärfe, die Farben und die Tiefe der Aufnahmen hatten etwas, das mich sofort fasziniert hat.
Ich wollte wissen, was passiert, wenn man diese Qualität nicht im Studio, nicht in einer kontrollierten Umgebung, sondern draußen in der Natur einsetzt.
Ich wollte wissen, wie Tiere aussehen, wenn man sie mit dieser Schärfe, diesen Farben und dieser Ruhe verbindet.
Das Problem war nur: Für das, was ich machen wollte, gab es kein richtig passendes Teleobjektiv für die Hasselblad.
Also hatte ich zwei Dinge vor mir liegen, die eigentlich nicht füreinander gemacht waren. Auf der einen Seite die Hasselblad. Auf der anderen Seite mein Sigma 600mm mit Canon-Mount. Und irgendwo dazwischen musste eine Lösung entstehen.
Die Suche nach einer Lösung
Ich begann zu recherchieren. Am Anfang wusste ich nicht genau, welcher Mount passen könnte, welcher Adapter überhaupt infrage kommt und ob das Ganze technisch überhaupt sinnvoll ist.
Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto tiefer kam ich in diese Welt aus Anschlüssen, Kompatibilität, Fokusproblemen und technischen Risiken.
Irgendwann fand ich einen Adapter, der es möglich machen sollte, mein Sigma an der Hasselblad zu nutzen. Das klang erstmal nach der Lösung. Aber natürlich war damit nicht alles geklärt.
Es konnte sein, dass die Kamera dadurch Probleme bekommt. Es konnte sein, dass der Autofokus nicht richtig funktioniert. Es konnte sein, dass ich am Ende fast nur manuell fokussieren muss. Und es konnte sein, dass dieses Setup draußen in der Natur mehr Probleme macht, als es löst.
Für viele wäre das wahrscheinlich der Moment gewesen, an dem sie gesagt hätten: Das ist zu riskant. Für mich war es eher der Moment, an dem ich wissen wollte, ob es trotzdem geht.
Das erste Zusammensetzen
Als ich die Hasselblad, den Adapter und das Sigma zum ersten Mal zusammensetzte, war schnell klar, dass dieser Weg nicht einfach werden würde.
Die Kamera wurde langsamer. Der Fokus wurde schwieriger. Alles fühlte sich weniger direkt an als mit meiner Canon.
Am Anfang war genau das frustrierend. Tierfotografie lebt oft von Sekunden. Ein Tier bewegt sich kurz ins Licht, schaut auf, bleibt stehen, dreht den Kopf, und dann ist der Moment vorbei. Mit meiner Canon hätte ich wahrscheinlich schneller reagieren können. Mit der Hasselblad musste ich warten. Ich musste ruhiger werden. Ich musste den Moment vorher spüren, statt nur darauf zu reagieren.
Und genau dadurch veränderte sich meine Art zu fotografieren.
Langsamer sehen lernen
Dieses Setup zwang mich dazu, bewusster zu arbeiten. Ich konnte nicht einfach viele Bilder machen und später entscheiden, welches davon funktioniert.
Ich musste früher entscheiden, ob ein Moment wirklich ein Bild wert ist. Ich musste genauer beobachten, mehr Geduld haben und akzeptieren, dass manche Situationen einfach nicht funktionieren.
Mit der Zeit kamen weitere Probleme dazu. Manchmal erkannte die Kamera das Objektiv nicht mehr. Manchmal funktionierte etwas nicht so, wie es sollte.
Und draußen in der Natur ist das besonders schwierig. Man wartet vielleicht lange auf einen Moment, das Licht passt, ein Tier steht vor einem, alles könnte perfekt sein, und dann macht die Kamera nicht mit.
Aber irgendwann gehörte genau das dazu.
Dieses Setup war nicht perfekt. Es war langsam, manchmal fehlerhaft und oft anstrengend. Aber es hat mich gezwungen, anders zu sehen. Es hat mich gezwungen, nicht nur auf Technik zu vertrauen, sondern auf Geduld, Beobachtung und Gefühl.
Die größte Herausforderung
Die größte Herausforderung war am Ende nicht die Kamera. Es war auch nicht der Adapter. Die größte Herausforderung war die Zeit.
Ich musste lernen, Stille auszuhalten. Ich musste lernen, zu warten, ohne sofort ein Ergebnis zu erwarten. Ich musste akzeptieren, dass Tierfotografie nicht planbar ist.
Man kann die beste Kamera haben, das richtige Objektiv und den perfekten Ort, und trotzdem passiert manchmal nichts.
Aber auch das ist nicht umsonst.
Denn in diesen Momenten lernt man. Man versteht die Tiere besser. Man versteht die Umgebung besser. Und manchmal versteht man auch sich selbst besser.
Zurück zum Ursprung
Dieses langsame Arbeiten erinnerte mich stark an meine erste Kamera, eine Pentax ME Super mit Schwarz-Weiß-Film.
Damals konnte man nicht einfach hunderte Bilder machen. Man musste den Film nach jeder Aufnahme weiterziehen, man musste manuell fokussieren und man musste sich genau überlegen, ob ein Moment wirklich ein Bild wert ist.
Mit der Hasselblad kam dieses Gefühl zurück.
Dieses bewusste Sehen. Dieses Warten. Dieses langsame Arbeiten. Es erinnerte mich daran, warum ich überhaupt angefangen habe zu fotografieren.
Nicht jeder Moment muss festgehalten werden. Manche Momente sind vielleicht nur dafür da, dass man sie sieht.
Nicht jeder Moment braucht ein Bild
Dabei denke ich oft an den Film „Walter Mitty“. Es gibt diese Momente, in denen die Kamera fast stört, weil der Moment selbst wichtiger ist als das Bild davon.
Wenn mir ein Moment wirklich gefällt, will ich nicht sofort an Einstellungen denken. Nicht an Fokus. Nicht an Belichtung. Nicht daran, ob daraus ein perfektes Bild wird.
Ich will einfach in diesem Moment bleiben.
Genau das hat mir die Hasselblad wieder gezeigt. Sie hat mich daran erinnert, dass Fotografie nicht nur aus Bildern besteht. Sie besteht auch aus den Momenten davor. Aus dem Warten. Aus dem Beobachten. Aus dem stillen Verstehen dessen, was vor einem passiert.
Warum trotzdem Hasselblad?
Natürlich hätte ich mit meiner Canon wahrscheinlich mehr Bilder gemacht. Wahrscheinlich hätte ich schneller arbeiten können. Wahrscheinlich hätte ich weniger Probleme gehabt. Aber ich hätte nicht dieselbe Ruhe gefunden. Ich hätte nicht dieselbe Geduld gelernt. Und ich hätte nicht dieses Gefühl erreicht, das mir die Hasselblad gegeben hat.
Die Hasselblad hat eine eigene Art, Bilder wirken zu lassen. Die Farben, die Schärfe und diese besondere Ruhe in den Aufnahmen haben etwas, das ich mit keiner anderen Kamera genauso erlebt habe.
Canon kann großartige Bilder machen, keine Frage. Aber für mich fühlt sich Hasselblad anders an.
Hasselblad in der Natur
Was viele vielleicht vergessen: Hasselblad steht für viele heute vor allem für Studio, Mode, Werbung und kontrollierte Bilder. Für mich steckt in dieser Kamera aber auch Natur. Geduld. Beobachtung. Tierfotografie.
Victor Hasselblad hatte selbst eine starke Verbindung zur Natur und zu Tieraufnahmen. Deshalb fühlte es sich für mich nicht falsch an, diese Kamera genau dafür zu benutzen.
Es fühlte sich eher so an, als würde ich sie wieder dorthin bringen, wo ein Teil ihrer Geschichte hingehört.
Die Entstehung von „The Act“
Aus all diesen Versuchen, Problemen und Erfahrungen entstand am Ende „The Act“. Alle Bilder dieser Ausstellung wurden mit der Kombination aus Hasselblad, Adapter und Sigma 600mm fotografiert. Und genau deshalb bedeuten mir diese Bilder so viel.
Wenn ich heute auf diese Serie schaue, sehe ich nicht nur fertige Fotografien. Ich sehe die Tage dahinter. Das Warten. Die Fehler. Die Stille. Die Momente, in denen nichts funktioniert hat. Und die Entscheidung, trotzdem weiterzumachen.
„The Act“ ist für mich nicht aus Einfachheit entstanden. Die Serie ist aus Risiko entstanden. Aus Geduld. Aus technischen Grenzen. Aus dem Versuch, etwas möglich zu machen, obwohl viele wahrscheinlich gesagt hätten, dass es nicht funktioniert.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mir diese Bilder so wichtig sind. Sie zeigen nicht nur, was vor der Kamera passiert ist. Sie zeigen auch, was hinter der Kamera passiert ist.
Was am Ende bleibt
Am Ende ist es eigentlich egal, ob man mit Canon, Sony, Nikon oder Hasselblad fotografiert. Wichtig ist, dass man mit dem arbeitet, was einen selbst glücklich macht. Nicht jede Entscheidung muss logisch sein. Nicht jeder Weg muss einfach sein. Und nicht jedes Setup muss perfekt funktionieren, damit daraus etwas entstehen kann.
Für mich war diese Hasselblad nie einfach nur eine Kamera. Sie hat mich gezwungen, langsamer zu werden. Mehr zu beobachten. Mehr zu warten. Und wieder besser zu verstehen, warum ich überhaupt fotografiere. Genau deshalb gehört diese Kombination zu „The Act“. Nicht nur, weil sie die Bilder möglich gemacht hat.
Sondern weil sie meine Art zu sehen verändert hat.
Peace and Love.
Stay Golden.
Related Articles

