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The Act

Aug 8, 2024

The Act: Der gefangene König

Es gibt Bilder, die machst du, und es gibt Bilder, die machen dich. Jeder Fotograf hat dieses eine Werk in seinem Portfolio, das wie ein Katalysator wirkt. Ein Bild, das Türen öffnet, Aufmerksamkeit generiert und den Stein für alles Weitere ins Rollen bringt. Bei mir war dieses Bild die Fotografie eines Uhus.

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Auge in Auge mit dem gefangenen König

Die Geschichte dieses Bildes führt mich in den Norden Deutschlands, in einen Wildpark. Zwischen dem Uhu und mir lag fast keine Distanz, gerade einmal zwei Meter. Es gab keinen schützenden Zaun. Da war nur ein winziges, dreckiges Häuschen. Und darin saß er: ein prachtvoller, ausgewachsener Uhu. Um seinen Fuß lag eine schwere Metallkette.

Diesen stolzen Jäger der Nacht in einer solchen Gefangenschaft zu sehen, hat mich tief verletzt und unendlich enttäuscht. Ich sage es immer wieder: Wir Menschen würden für eine solche Einschränkung unserer Freiheit töten. Aber dieses Tier war der Willkür ausgeliefert. Trotz des Kloßes im Hals hob ich meine Hasselblad, blickte durch den Sucher und bekam augenblicklich eine heftige Gänsehaut. Die Gefühle und die stille Würde, die dieses Lebewesen trotz allem ausstrahlte, haben mich komplett überwältigt. Meine Emotionen kochten hoch und ließen mich im nächsten Moment völlig kalt und fokussiert werden.

Die Anatomie des Augenblicks

Bevor ich auf den Auslöser drücke, analysiere ich immer mein Gegenüber und mich selbst. Ich frage mich, wie ich mich in genau diesem Moment fühle. Ich begann, die gesamte Situation zu hinterfragen: Was fotografiere ich hier eigentlich? Fotografiere ich nur das Tier? Fotografiere ich die traurige Situation? Oder fotografiere ich am Ende mich selbst?

Die Antwort ist eine Mischung aus all diesen Fragen. Um der Würde des Tieres gerecht zu werden, musste ich die hässliche Realität des Hintergrunds ausblenden. Ich traf die bewusste Entscheidung, die Umgebung im Bild komplett zu schwärzen. Dadurch wurde die Fotografie mystischer und der Blick des Betrachters wird ohne jede Ablenkung direkt auf die Augen und die natürliche, ungebrochene Schönheit des Uhus gelenkt.

Das einzige Element, das ich bei der Bearbeitung niemals verändern wollte, waren diese Augen. Ich habe gelernt, dass die Augen die Wahrheit verraten, völlig egal bei welchem Lebewesen. Sie lügen nicht. Und das Faszinierende ist: Je tiefer man digital in die Augen dieses Uhus hineinzoomt, desto mehr erkennt man die reale Umgebung. Man sieht das Gefängnis des Tieres und man sieht mich, wie ich vor ihm stehe. Der Uhu war das erste Tier, das mich wirklich angesehen und mich in seinen Augen widergespiegelt hat. Man sagt nicht umsonst, dass die Augen eines Uhus direkt in deine Seele blicken.

Die Geburt von "The Act"

Nachdem das Foto im Kasten war, ging es an die Bearbeitung am Rechner. Ich verdunkelte den Hintergrund vollständig, schraubte den Kontrast nach oben und fügte das hinzu, was ich gerne als meine persönliche Magie bezeichne oder einfach salopp sage: Ich habe ordentlich auf die Kacke gehauen. Das Ergebnis war ein zutiefst emotionales, düsteres Kunstwerk.

Die Veröffentlichung dieses Bildes schlug Wellen. Plötzlich meldete sich Sony AU, und das bekannte Magazin Nomadict klopfte für eine Kooperation an meine Tür. Aus diesem einen, prägenden Moment heraus war nicht nur mein Name in der Szene ein Begriff, sondern ich startete damit auch offiziell meine tiefgründige Serie The Act. Es war der Beweis für mich, dass Kunst dann am stärksten ist, wenn sie aus echtem, unfiltriertem Schmerz und tiefem Respekt entsteht.

Peace and Love, Stay Golden.

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